1. Gesellschafterversammlung des N1 European Film Fonds am 28. November in Hanau


Impressionen


Willkommen zur Beerdigung der N1 European Film Produktions-GmbH & Co. KG am 28.11.2007 in Hanau.

So hätte die Begrüßung im Congress Park an diesem Tag eigentlich lauten müssen.

Aber beginnen wir chronologisch. Es hatte sich im Geschäftsjahr 2006 viel getan, was auch noch Auswirkungen für das laufende Jahr mit sich brachte.

Im Februar 2007 wurden die Anteile des, bis dahin vorgeblichen Filmbranchenkenners und Erfolgsgaranten, Michael Kuhn (99,6% oder € 25.900) an der Komplementärin J3 European Film Produktions-GmbH an die Clou Financial Services GmbH in München veräußert. Ein Herr Peter Lüke, ausgewiesen als bisheriger Geschäftsführer der J3, hält seinen Gesellschaftsanteil von 100 € weiterhin.

Was soll der geneigte Leser, respektive der stark gebeutelte Gesellschafter, hieraus schließen?

Ich möchte es einmal vorsichtig umschreiben. Herr Michael Kuhn, noch im Emissionsprospekt  der GENO Asset Management vollmundig als so etwas wie der Messias der Filmbranche beschrieben, wohlgemerkt ohne diese Qualifikationen näher zu substantiieren, hatte den Laden binnen 3 Jahren sprichwörtlich an die Wand gefahren. Es war ihm gelungen in den Jahren 2001 – 2004 ca. € 109 Mio. für offensichtliche Flopproduktionen zu verprassen. Die prospektierten Filmerlöse erwiesen sich als absolut unrealistisch. Tatsächlich konnten bis Ende 2005 lediglich knapp € 60. Mio. anstatt der im Emissionsprospekt veranschlagten € 363 Mio. realisiert werden.[1]

Als das Desaster immer deutlicher wurde, ein Kapitalverlust der Gesellschafter im Rahmen von bis zu 50% wäre ja gegenüber den „bankengläubigen“ Anlegern schon aufgrund der steuerlichen Vorteile vertretbar und erklärbar gewesen, musste offensichtlich etwas geschehen.

Also wurde kurzerhand der mutmaßliche Verursacher Herr Kuhn aus dem Verkehr gezogen, indem er per 30. September 2006 sein Geschäftsführungsmandat mehr oder weniger freiwillig niederlegte. Ihm folgte der, salopp ausgedrückt, Frühstücksdirektor Peter Lüke als 2. Geschäftsführer, welcher per 2. April 2007 sein Amt niederlegte, jedoch immer noch seinen „immensen“ Gesellschaftsanteil von € 100 hält.

Die Bezeichnung Frühstücksdirektor schon daher, insofern Herr Lüke aktuell in zumindest 3 weiteren Fonds der GENO Asset Management in ähnlicher Funktion tätig ist und es schon aufgrund dieser Tatsache nahe liegt, dass seiner Tätigkeit eher der Status pro forma anhaftet.[2]

Rein zufällig erfolgte die Gesellschafterversammlung 2007, im Gegensatz zu der Gesellschafterversammlung des Jahres 2006 welche Ende September statt fand, erst am 28. November. Ein Schelm, der sich Böses dabei denkt, oder gibt es in Deutschland neuerdings die 6-Monatsfrist für Haftung von Geschäftsführern nicht mehr? Aber auch diese Haftungsfrist wird für beide ehemalige Geschäftsführer der J3 nicht greifen, wenn die vormalige Geschäftsleitung mit ihrem Handeln möglicherweise Straftatbestände erfüllt hat!

Soviel zum generellen und ohne detaillierte Einsicht in die Bücher des N1 weiter zu verifizierenden, aktuellen Sachstand. Nun saßen am 28. November 2007, 2 der 3 Geschäftsführer der Clou Financial Services GmbH in München, Herr Dr. Poeck und Herr Vollath, als neue Geschäftsführer der J3 auf dem Podium.

Und diese stellten erst einmal gegenüber dem Auditorium klar, dass ihre Firma darauf spezialisiert sei Fonds in Schieflage zu übernehmen. Wie wahr! Aber was wollten Sie damit dem mehr oder weniger geneigtem Publikum mitteilen?

Wohl zweierlei, zum einen den Umstand, dass die Clou Financial Services GmbH in München nichts mit dem bösen Buben Kuhn und seiner desaströsen Geschäftsführung zu tun hat und zum anderen die Tatsache, dass es sich bei ihnen, der Clou Financial Services GmbH in München, um Totengräber für Finanzanlagen handelt.

In gebotenem sachlichen, teilweise tatsächlich an eine Beerdigung erinnernden, Ton sorgte das Team im Podium dafür, tunlichst die Vorgeschichte und die Ursache für die immensen Verluste der Gesellschafter zu verdrängen. Tatsächlich wurde lediglich ein relativ fadenscheiniges Angebot erörtert, in dem man ein angebliches Gebot der Fox über € 5,25 Mio. für die verbliebene Filmbibliothek in Aussicht stellte. Interessanterweise war dieses Angebot jedoch an die Auflage gebunden auf eine Sonderprüfung des Fonds zu verzichten!

Was, in 3 Teufels Namen, hat die Fox ein Interesse daran eine Nichtdurchführung einer Sonderprüfung, die möglicherweise Rechtsgrundlagen für die Inanspruchnahme der Initiatoren neben der ehemaligen Geschäftsleitung ergeben könnte und aller Wahrscheinlichkeit auch wird, zum Vertragsgegenstand zu machen? Daraus ergibt sich die nächste Frage, wäre ein solcher Vertrag nicht schon per se sittenwidrig? Und! die € 5,25 Mio. machen bei einer Zeichnung von € 10.000 gerade mal ca. € 530 - selbstredend vor Verwaltungskosten - aus. Sehr tröstlich bei einem Verlust von mindestens 83% der Zeichnungssumme.

Die Bemühungen der Herren Dr. Poeck und Vollath, die Diskussion auf das Szenario nach Übernahme der J3 zu beschränken, hatten trotz einiger darüber hinaus gehender Fragen von Anlegern und Anlegervertretern offensichtlich vollen Erfolg. Eine Erörterung der tatsächlichen Ursachen der gewaltigen Verluste konnten die Herren Dr. Poeck und Vollath im Rahmen der Versammlung vollständig vermeiden.

In der Kürze dieses Beitrags war es mir leider nicht möglich auf jeden Punkt der Gesellschafterversammlung im Detail einzugehen. Diverse weitere Ungereimtheiten bezüglich des Vortrags der neuen Geschäftsleitung werde ich nach gegebener sorgfältiger Prüfung (falls es irgendwann einmal dazu kommt, dass die Gesellschaft ihre Bücher offen legen muss) selbstverständlich auch auf dieser Seite zur Diskussion stellen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Clou Team einen annähernd perfekten Job im Sinne der Initiatoren und der vormaligen Geschäftsleitung des N1 Fonds getätigt hat. Die Anleger wurden mit gebührendem Respekt – immerhin haben sie einschließlich Agios bisher ca. € 104 Mio. gespendet – und exzellenter Haltung des Moderatorenteams, zum wiederholten Mal verarscht.

Das Angebot war kurz und trocken: Liebe Gesellschafter, wir die guten Jungs von Clou haben 2 Alternativen, evtl. 16 – 17% Rückfluss eurer Spende – Betonung liegt auf evtl. -, aber nur wenn keine Sonderprüfung erfolgt, ansonsten wahrscheinlich Totalverlust.

Wie sprach schon Bertold Brecht: Der kleine Gauner überfällt eine Bank, der große Gauner gründet eine.



[1] Vgl. Vorläufige Stellungnahme des SV Holm vom 29.10.2007

[2] GENO Bioenergie 1, Doric Green Power, GENO Europafonds 2, London